Was genau passiert bei der IHHT?

Wenn Sie die Prozesse wissenschaftlich erläutert genauer verstehen wollen, erkläre ich die wichtigsten molekularen Prozesse im Detail.

Wissenschaftlich sind mannigfaltige Mechanismen identifiziert worden, die durch die Hypoxie, also den Sauerstoffmangel, angestoßen werden. Es laufen unter der IHHT Prozesse der mitochondrialen Erneuerung ab, hormonelle Signalwege werden modifiziert, die Produktion von lebenswichtigen Enzymen wird angepasst und zentrale Botenstoffe werden ausgeschüttet, die ihrerseits wieder weitergehende Prozesse anstoßen.

Die Anwendung der Vorläufer der heutigen IHHT geht schon in die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Ursprünglich haben die Großmächte versucht, im Wettlauf um Luftraum, Weltraum und technologische Vormachtstellung Ihren Piloten von Flugzeugen und Raumschiffen einen Leistungsvorteil unter schwierigen Bedingungen zu ermöglichen. Bei Flügen in großen Höhen und im Weltraum war der Sauerstoff ein lebensnotwendiges, aber knappes Gut und technisch schwer mitzuführen. Beim Sauerstoffmangeltraining der Piloten wurde die Grundlage der Hypoxietherapie gelegt und eine gigantische Menge an wissenschaftlichen Daten erhoben. Sehr lange unterlagen diese Daten der strikten Geheimhaltung und erst nach der Jahrtausendwende haben Forscher international die Potenziale der Ergebnisse erkannt. Aufgrund der reichhaltigen Datenlage aus den nun geöffneten Geheimarchiven der Staaten konnten gezielte Innovationen erfolgen. Diese konsequente Weiterentwicklung der Methode führte zur heutigen Form der Intervallbehandlung mit Hypoxie und Sauerstoffdusche – der IHHT.

Erneuerung der Mitochondrien – eine echte Verjüngungskur für Ihre Kraftwerkslandschaft

Die IHHT sorgt dafür, dass Ihre Köperzellen, genauer die Mitochondrien, wieder zu 100 % leistungsfähig sind. Das hilft Ihnen dabei, sich vor einer Vielzahl von Krankheiten zu schützen. Mittlerweile geht die Wissenschaft davon aus, dass ein großer Teil der chronischen und der Zivilisationskrankheiten in Zusammenhang mit beschädigten Mitochondrien steht.

Das gesunde, leistungsstarke Mitochondrium produziert aus den Spaltprodukten der Kohlenhydrate oder Fette zu 98 % unseren Energieträger ATP (Adenosintriphosphat) und zu 2 % Sauerstoffradikale (Reactive Oxygen Species = ROS). Diese ROS sind hochreaktiv und an einigen wichtigen Prozessen beteiligt – allerdings brandgefährlich! Treten ROS an der falschen Stelle zutage, sind sie in der Lage, Schäden und Zerstörung zu verursachen. In den Jahrmillionen der Evolution hat der Körper Puffermechanismen entwickelt, um solche Schäden zu vermeiden. Die Kapazität dieser Mechanismen ist allerdings begrenzt – treten zu viele ROS im Stoffwechsel auf, können sie ihr schädigendes Potenzial ungehindert entfalten.

Mitochondrien haben nun eine Besonderheit: Sie sind die einzigen Zellbestandteile, die einen eigenen Erbstrang (DNA) besitzen. Die gesamte übrige Erbmasse ist im Zellkern konzentriert und dort gut vor Schäden geschützt. Die mitochondriale DNA (mtDNA) liegt allerdings frei als Ring im mitochondrialen Reaktionsraum und ist ständig Angriffen anderer Substanzen, insbesondere der ROS, ausgesetzt. Die Mutationsrate der mtDNA ist mehr als zehnmal so groß wie die der Kern-DNA. Treffen die Mutationen bestimmte Strukturelemente des Mitochondriums, stirbt dieses ab und wird ersetzt. Funktionselemente wie die Puffersysteme oder die Energieproduktion können aber geschädigt werden, ohne dass das Kraftwerk unmittelbar funktionsunfähig wird – es büßt nur seine Effizienz ein. Auf diese Art „gealterte“ Mitochondrien produzieren nur noch zu 60 % ATP und zu fast 40 % ROS! Der größte Teil des ATP muss allerdings für die Mitochondrien selbst aufgewendet werden und bei dieser Ausbeute produziert dieses Mitochondrium nahezu ausschließlich für den Eigenbedarf – es hinterlässt dafür aber eine Masse an gefährlichen Abfallstoffen (ROS).
Diese Mitochondrien haben Teile Ihres Erbguts eingebüßt und einen kürzeren mtDNA-Ring als die „fitten“. Da die Mitochondrien ohnehin nur eine Lebensdauer von ca. 20 Tagen haben, werden ständig neue Kraftwerke nachgebildet: Bei 20 Billionen Körperzellen mit durchschnittlich 1.000 Mitochondrien pro Zelle werden ca. 230 Milliarden Mitochondrien pro Sekunde neu gebildet – eine schier unglaubliche Leistung des Körpers, ein Leben lang!
Leider geht die Vermehrung der Mitochondrien mit kurzer DNA schneller als die solcher mit gesundem, langem Erbgutring. Im Laufe der Zeit häufen sich also immer mehr alte Mitochondrien an und verschlechtern unsere Energiebilanz. Dieser Prozess läuft bei jedem von Ihnen unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark ab und ist insbesondere von vielen Umwelt- und Verhaltensfaktoren abhängig.

Aufgrund der Veränderungen in Struktur und Erbgut können aber die geschädigten Mitochondrien einen Sauerstoffmangel sehr schlecht kompensieren. Sie produzieren noch mehr Radikale im inneren Reaktionsraum und sterben schnell ab. „Jugendliche“ Mitochondrien überstehen die Mangelsituation mit Leichtigkeit. Wird nun die Lücke der fehlenden Mitochondrien gefüllt, gibt es mehr gesunde als alte zur Nachbildung. Die IHHT wiederholt diesen Prozess immer wieder und sortiert somit die schwachen und insuffizienten Kraftwerke Stück für Stück aus und gibt jeder Zelle die Möglichkeit, aus den leistungsstarken Mitochondrien eine insgesamt verjüngte Population an Kraftwerken zu schaffen. Natürlich funktioniert dieser Prozess nur, wenn der Zelle aus dem Körper die notwendigen Vitalstoffe zur Verfügung gestellt werden können.

Biochemische Reprogrammierung – von Faktoren und Hormonen

Die Modifikation der Mitochondrienpopulation ist sicherlich der fundamentalste Prozess bei der Anwendung der IHHT. Viele Studien zeigen darüber hinaus weitere Effekte der Hypoxie. Sicherlich kann hier nicht jeder Stoffwechselweg aufgezeigt werden – dafür ist die Komplexität zu hoch. Exemplarisch möchte ich auf den HIF eingehen.

Der HIF 1/2 (Hypoxie-induzierter Faktor Typ 1/2) ist ein spezifischer Botenstoff, der im Zusammenhang mit einem Sauerstoffmangel gebildet und freigesetzt wird. Der HIF besteht aus zwei Untereinheiten. Bei ausreichender Versorgung der Zelle mit Sauerstoff wird die alpha-Untereinheit an Sauerstoff gebunden und abgebaut – der Faktor ist somit inaktiv. Bei Sauerstoffmangel vermindert sich diese Reaktion und der HIF kann im Zellkern seine Wirkung entfalten. Sein Wirkungsort im Zellkern weist deutlich auf die grundlegende Bedeutung dieses Signalwegs hin. Der HIF aktiviert Signalwege, die für eine Anpassung an die Hypoxie relevant sind. Dazu gehören besonders:

  • EPO-Synthese (wichtig für die Synthese von sauerstofftransportierenden Erythrozyten)
  • Bildung neuer Gefäße über den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF)
  • Induktion von Enzymen der anaeroben Glykolyse für die ATP-Synthese auch unter hypoxischen Bedingungen
  • Verbesserung der Insulinsensitivität
  • In Wunden bewirkt die Hypoxie eine Migration der Keratinozyten zur Wunde für die Bildung von neuem Epithel
  • Aufrechterhaltung der Quieszenz (Verbleib im Ruhestadium) bei Stammzellen

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